
Schloss Tirol
Walter Pichler ist Bildhauer. Seine Welt ist das Dreidimensionale, die Bevölkerung von Räumen mit Figuren. Der ideale Ort für die Umsetzung seiner gesamtkunstwerklich angelegten Ideenwelt ist für den gebürtigen Südtiroler St. Martin im Burgenland, wo Pichler seit vielen Jahren lebt und arbeitet. Hier verschmelzen Architektur und Skulptur zu einer untrennbaren Einheit, zu einem organischen, mythisch aufgeladenen Ganzen.
Pichler macht seit Jahren immer wieder Zeichnungen seiner Mutter. Eine seiner schönsten überhaupt sei eine über sie, sagt er. Daraus eine ganze Serie zu machen, berge allerdings die Gefahr in sich, ins Illustrative abzurutschen. Was Pichler hier erzählt, sind Geschichten. „Geschichten, die jeder anders erlebt hat, anders in Erinnerung hat“, so der Künstler. Daraus eine Zeichnung zu machen, sei das einzige Objektive. „Denn da muss man ja nicht die Wahrheit sagen, da kann ich Geschichten erzählen, die ich gut finde. Das ist das Schöne an der Zeichnung.“
In rund 30 Sequenzen erzählt Pichler diese Geschichten, auf ganz kleinen Blättern und sehr grossen. Nur leicht mit Bleistift hingehaucht oder in expressiver Wucht opulent farbig zelebriert.
Jedes der Blätter erinnert an eine ganz spezielle Begebenheit. In einer klammert sich etwa die Mutter mit aller Kraft an den Felswänden des Eggentals fest, aus dem sie gegen ihren Willen vom Vater an den Beinen gewaltsam herausgerissen wird. Von wuterfüllter Expressivitaet strotzend ist dagegen jene, die Pichler seiner, wegen ihrer Taubstummheit dem NS-Euthanasieplan zum Opfer gefallenen Schwester gewidmet hat. Ein Ereignis, das der Mutter den Rest gegeben hat. Sie wurde nur 54 Jahre alt.
Öffnungszeiten: Di bis So von 10 bis 17 Uhr, im August bis 18 Uhr.
Schloss Tirol
Landesmuseum für Kultur- und Landesgeschichte
Schlossweg 24. I-39019 Dorf Tirol
Tel. +39 0473 220221, Fax +39 0473 221132
E-Mail info@schlosstirol.it web www.schlosstirol.it