
Schloss Tirol
Schloss Tirol widmet der Tiroler Burgenzeichnerin eine umfassende Ausstellung
von 02. Juli bis 30. November 2010
Im Jahr 1823 erhielt „die eben so geschickte wie patriotisch gesinnte Künstlerin, Fräulein Johanna Großrubatscher“ vom neugegründeten Verein des vaterländischen Museums (Ferdinandeum) den Auftrag zur „getreuen Abzeichnung der Portale von Schloss Tirol und Zenoburg“. Die Zeichnungen sollten den verschiedenen „Altertumsforschern“ die Möglichkeit bieten, diese bedeutenden Denkmäler des Mittelalters zu analysieren, vor allem natürlich die Portale des Tiroler Stammschlosses, das in den Freiheitskriegen zum „Heiligtum des Landes“ (Joseph von Hormayr) avanciert war.
Die Beauftragung war zweifellos eine ehrenvolle Sache für die einundzwanzigjährige Künstlerin, aber schließlich hatte sie sich durch ihre detailgetreuen Burgenansichten aus dem Burggrafenamt und Vinschgau nachdrücklich dafür empfohlen. In den folgenden Jahrzehnten sollte Johanna Großrubatscher verheiratete von Isser ihre zeichnerische Bestandsaufnahme auf die Burgen des gesamten damaligen Tirol, vom Inntal bis zum Gardaseegebiet, ausweiten. Diese Blätter, die später zum Großteil in die Sammlungen der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien und des Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck gelangten, kann man getrost als die bedeutendste Quelle für die lokale Burgenforschung bezeichnen. Das Landesmuseum Schloss Tirol widmet „der Tiroler Burgenzeichnerin“ Johanna von Isser-Großrubatscher – in Kooperation mit den beiden genannten Institutionen – nun erstmals eine Einzelausstellung und realisiert mit der Begleitpublikation ein nicht nur von der Künstlerin selbst ersehntes Desiderat: die Dokumentation nahezu sämtlicher Tiroler Burgen im Zustand des frühen 19. Jahrhunderts.
Mit ihrer akribischen Zeichenschrift stellen die Burgenansichten der Autodidaktin aussagekräftige Quellen für die Burgenforschung und Denkmalpflege dar. Wertvoll sind sie ebenso für die Volkskunde, da die Zeichnerin häufig in die Darstellungen – zu ihrer Belebung wie auch zur Charakterisierung der Gegend – kleine Genreszenen, zumeist arbeitende Menschen, einbezogen hat. Die Blätter sind aber vor allem auch vom romantischen Zeitgeist geprägte Stimmungsbilder, beseelt von einem tiefen Naturempfinden und einer sehnsuchtsvollen Rückbesinnung auf das Mittelalter. Und lautete bei der Joseph Ennemoser und Jakob Philipp Fallmerayer gewidmeten Schloss Tiroler Sommerausstellung 2009 die Botschaft „Für (Presse-)Freiheit, Wahrheit und Recht“, so könnte sie diesmal heißen: carpe diem, ergreife den Tag und erfreue dich an der Schönheit auch kleinster, alltäglichster Dinge.
Die Ausstellung „Johanna von Isser-Großrubatscher“, die auch die biedermeierliche Lebenswelt der Künstlerin dokumentiert und Burgenbilder prominenter Zeitgenossen wie Thomas Ender, Rudolf von Alt und Karl Spitzweg zeigt, wird am 2. Juli 2010 auf Schloss Tirol eröffnet und läuft bis Ende November.
Öffnungszeiten: Di bis So von 10 bis 17 Uhr, im August bis 18 Uhr.
Schloss Tirol
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